Chronik der Gemeinde Eiselfing

Das Gebiet der heutigen Gemeinde Eiselfing ist uraltes Kulturland, dessen Siedlungszeugnisse fast lückenlos von der späten Jungsteinzeit bis zur bajuwarischen Landnahme reichen. Unsere Kommune in ihrer heutigen Form ist aber erst am 1. April 1971 durch die Zusammenlegung der bis dahin eigenständigen Gemeinden Aham, Bachmehring, Freiham und Schönberg entstanden und daher vergleichsweise jung. Ihren Namen erhielt die neue Gemeinde vom damaligen Hauptort Bachmehrings: Aus Kircheiselfing wurde Eiselfing.

Abgeleitet wird dieser frühere Ortsname „Ysolvinga“ von der Niederlassung eines Ysolf/Eisolf/Eiswolf im 7./8. Jahrhundert, die im Raum Alteiselfing/Aham (Reihengräber mit reichen Schmuckbeigaben) vermutet werden darf. Die Siedlung, welche um das erste Gotteshaus herum entstand, nannte man zur Unterscheidung Kircheiselfing. Urkundlich erscheint der Ortsname erstmals in einer Tauschurkunde zwischen Erzbischof Odalbert von Salzburg und der edlen Frau Rhini/Rihini, ausgestellt im Jahre 924 in Rohrdorf beziehungsweise erneuert 927 in Salzburg.

Rhini – die Schwester des Markgrafen Luitpold des Schyren und Ahnfrau des Geschlechts der Falkensteiner, weshalb die Gemeinde Eiselfing noch heute den Falken im Wappen führt – überlässt dem Erzbischof ihren Besitz zu Seeon und erhält dafür die Zelle Gars mit 18 namentlich aufgeführten Kirchen und/oder Höfen, darunter „ad Isaluingon“ (Eiselfing). Eine herausgehobene Stellung von Eiselfing gegenüber anderen in der Urkunde aufgezählten Siedlungen und Kirchen lässt sich aus dem Text nicht ablesen.

Schule 1970

 

Die erste Besiedlung liegt jedenfalls, dies belegen wertvolle und historisch bedeutsame Funde, schon viel weiter in der Vergangenheit zurück. Neben einem Grab mit Schwert, Rasiermesser und Sichel aus der Bronzezeit in Alteiselfing sowie einem Zeremonialdolch und Reihengräbern bei Aham wurden unter anderem auch Pfahlbaureste im Schwarzmoos entdeckt. Besonders spannend erscheint darüber hinaus ein im Jahr 1969 bei Renovierungsarbeiten in der Pfarrkirche Sankt Rupertus gefundener eingemauerter römischer Grabstein.

Dieser war Bestandteil eines Grabaltares vom Typ Pfeilergrabmal, wie er im Chiemgau mehrfach anzutreffen ist, beispielsweise in Seebruck am Chiemsee. Das Dübelloch im sich verjüngenden Oberteil weist auf einen konischen Aufsatz hin, der vermutlich von einem Pinienzapfen bekrönt war. Gefertigt ist der Altar aus hellem, gelbrötlichem Kalkstein. Der ursprüngliche Aufstellungsort dürfte der Friedhof einer „villa rustica“ (römischer Gutshof) gewesen sein. Als Datierung kommt in etwa der Zeitraum zwischen 200 und 250 n. Chr. in Frage, der als Blütezeit der römischen Besiedlung der Provinzen Rätien und Norikum gilt.

Im Jahr 1635 wütet die Pest in und um Eiselfing, wobei ihr ein großer Teil der Bevölkerung zum Opfer fällt. Kerschdorf soll damals sogar bis auf wenige Familien ausgestorben sein. Nur wenige Jahre später, zwischen Spätherbst 1649 und 1650, bricht der „schwarze Tod“ erneut über die Region herein. Der Tradition nach gibt es zwei Pestfriedhöfe: Einen im Wald zwischen Hafenham und Spielberg, den anderen zwischen dem Pfarrwald und Ganterer, der heute noch durch ein Gedenkkreuz gekennzeichnet ist.

1771 und 1772 herrscht das „Faulfieber“ und kostet weit mehr als 100 Menschen das Leben. Unter ihnen befinden sich auch mehrere Geistliche der Seelsorgestation Eiselfing, die sich bei Krankenbesuchen angesteckt hatten. Faulfieber ist eine toxische Vergiftung durch Verzehr von verschimmeltem Getreide, was besonders in Hungerzeiten vorkommt. Nur ein Jahr später war dann die nächste schlimme Tragödie zu verkraften: Pater Beda Diez unternahm als Kaplan von Eiselfing mit seinen Pfarrkindern eine Wallfahrt per Schiff nach Altötting. Die Plätte stieß an ein Brückenjoch bei Mühldorf, wobei der Geistliche und die meisten Insassen ertranken.

Im Juli/August 1800 lagerten im Krieg zwischen Bayern/Österreich und Frankreich etwa 60.000 Mann zwischen Bachmehring und Alteiselfing, wobei sich das Feldlager in ostwestlicher Richtung von Dirneck bis nach Neudeck erstreckte. Kaiser Franz II. von Österreich inspizierte hier mehrfach seine Truppen im September 1800. Beim Hauptlager nahe Bachmehring wurden sogar Backöfen für die Versorgung errichtet.

Während eines heftigen Gewitters im Jahr 1886 fährt ein Blitz über die Südseite der Kirche in Eiselfing, wobei er die Sonnenuhr zerstört, in das Innere, reißt Löcher ins Gewölbe, hinterlässt eine Spur zwischen Bruderschaftsaltar und Fenster, versengt die Vergoldung des Altares und beschädigt den Tabernakel. Indem er einige Löcher in den Boden reißt, nimmt er den Weg durch die nördliche Kirchenwand wieder nach außen. Glücklicherweise zündet der Blitz, von dem man annimmt, dass es ein sogenannter Kugelblitz gewesen sei, nicht.

Kircheiselfing um 1925

 

Am 3. Mai 1948 treffen in Eiselfing – nach dem zwangsweisen Einzug der Bronzeglocken während der beiden Weltkriege – drei neue Stahlglocken aus einer Gießerei in Apolda für die Pfarrkirche ein. Auf festlich geschmückten Wägen werden sie unter den Augen vieler Zuschauer von Wasserburg nach Eiselfing gebracht. Wenige Tage später werden sie im Rahmen einer feierlichen Zeremonie geweiht. Die größte Glocke ist in Erinnerung an die Zugehörigkeit Eiselfings zum Erzbistum Salzburg und an den Kirchenpatron dem Heiligen Rupertus geweiht. Historische Dokumente aus der Schulchronik, wie beispielsweise ein Lageplan zum „Kriegs- und Einmarschbericht von Kircheiselfing“, zeigt gegen Ende des Zweiten Weltkrieges mehrere Stellungen der SS-Artillerie im Berger Holz sowie unweit des Eiselfinger Sees und kartiert Granat-Einschläge in landwirtschaftlichen Flächen.

Nach den Wirren und Grausamkeiten der beiden Weltkriege entwickelt sich die Eiselfinger Region beständig, ehe, wie eingangs bereits erwähnt, 1971 eine neue Kommune aus vier ehemaligen Gemeinden hervorgeht. Im bis heute größten Ortsteil Bachmehring entstehen seit den 1960er Jahren in mehreren Schritten Siedlungsgebiete unmittelbar neben einem holzverarbeitenden Betrieb. Ansonsten ist die Gemeinde Eiselfing aber stark landwirtschaftlich geprägt. Mit guter Anbindung an das überörtliche Straßennetz stellt sie einen attraktiven Gewerbestandort dar, welcher vor allem im handwerklichen Bereich zahlreiche Arbeitsplätze bietet.

Ein moderner sechsgruppiger Kindergarten, im Jahr 2015 erweitert um eine zweite Krippengruppe, sowie eine Grund- und Mittelschule schaffen beste Voraussetzungen für die Erziehung und Bildung der jungen Gemeindebürger. Beliebt bei den Sportlern ist die Zweifachturnhalle mit großzügiger Freisportanlage. Eingebettet in eine abwechslungsreiche und reizvolle Landschaft präsentiert Eiselfing den Wanderern und Radfahrern viele Tourenmöglichkeiten, die teilweise in überregionale Radwanderwege eingebunden sind.